Die Prozesse hinter dem E-Rezept: Bereit für eine neue Ära?

Die richtigen Entscheidungen treffen, passende Produkte auswählen und effiziente Prozesse rund um das E-Rezept etablieren: Marcus Schniedermeier von der Treuhand Hannover und Florian Köster, Inhaber der Cothenius-Apotheke in Anklam, sprachen auf dem Dialog über die wichtigsten Vorbereitungen und geben Einblicke in praktikable Lösungen aus Sicht eines Apothekers.

Das E-Rezept hat es momentan nicht leicht. Überall tauchen Hindernisse auf, Feldstudien fallen kleiner aus als eigentlich geplant und es will einfach nicht so recht danach aussehen, dass zum 1.1.2022 wirklich alles läuft. Vor allem die Technik hinkt hinterher. Dennoch: Gesetzlich ist der Start des E-Rezeptes festgelegt. Referent Marcus Schniedermeier begleitet das Thema E-Rezept bei der Treuhand Hannover und weiß, wie es in den Apotheken stimmungsmäßig aussieht: »Sie hatten die Mühen und die Kosten und bisher kam nicht viel dabei rum. Trotzdem sollte man diesen Prozess, so weit es geht, mitgestalten und proaktiv dabei sein, damit es irgendwann so wird, wie man es haben möchte.«

Als Beispiel und Sprecher für diese aktive Vorbereitung ist Apotheker Florian Köster aus dem Nordosten Deutschlands dabei. Er berichtet von seinen Vorgehensweisen aber auch von seiner Einstellung zu diesem Thema. »Ich sehe dem Thema E-Rezept generell auch mit einer gewissen Euphorie und Freude entgegen – schließlich geht es um eine Optimierung der Therapie, um eine Vereinfachung der Prozesse. Schon diese andere Perspektive macht die Dinge sehr viel leichter und produktiver. Ich wehre mich innerlich nicht dagegen, sondern begleite einfach bestmöglich den Prozess.«

Handlungsfelder für eine optimale Vorbereitung

Als Handlungsfelder für eine optimale Vorbereitung sieht er beispielsweise den virtuellen Arbeitsplatz, den Marktauftritt bzw. die digitale Sichtbarkeit, telepharmazeutische Beratung, Abholfächer und Botendienst – und jedes dieser Felder ist umgeben von den Faktoren Kunden, Team, Prozesse und Finanzen.

Für den virtuellen Arbeitsplatz ist es absolut notwendig, die Technik auf Herz und Nieren zu checken. Gibt es einen Notfallplan für WLAN-Ausfall? Mit einem LTE-fähigen Modem und UTMS-Betrieb bleiben Sie handlungsfähig. Ist Ihre Technik E-Rezept-ready? Es gibt auch sehr gute Mietoptionen, so bleiben Sie immer up to date. Das Ziel ist eine voll digitale Kommunikation – die Faxe vom Arzt sind da nicht gerade förderlich.  Für den Vorbereitungscheck ist es außerdem wichtig, die E-Rezept-App schon einmal runterzuladen und im Demomodus anzuwenden. So können Sie Ihre Daten überprüfen und optimieren.

Für den eigenen Marktauftritt bzw. die digitale Sichtbarkeit, ist nach Florian Kösters Erfahrung auch folgende Einstellung hilfreich: Ausprobieren und schauen, was kommt. »Gehen Sie auf alle Marktplätze und das, was keine Bestellungen bringt, kann wieder weg«, so der Digitalisierungsaffine. »Stellen Sie sich wichtige Kernfragen: Was kann meine Apotheke besonders gut? Habe ich eher ältere Kunden oder eher jüngere? Und dann holen Sie den Kunden dort ab, wo er steht und wo er uns erreicht.«

Spielen Sie Ihre Alleinstellungsmerkmale aus

Social Media als gewinnbringende Austauschplattform sehen, statt als nerviges Damoklesschwert, ist auch so eine Perspektivensache. Die Brötchen vom Bäcker nebenan mit in den Webshop nehmen. Attraktive Partner suchen und die eigene Nische stärken, lautet das Motto. »Spielen Sie Ihre Alleinstellungsmerkmale aus, pflegen Sie Ihre Webseite inklusive Suchmaschinenoptimierung und nutzen Sie Ihren ‚Google my Businiess-Account‘, rät Florian Köster. »Wir geben allen zufriedenen Kunden eine Karte, auf der steht, dass Sie uns gerne bei Google bewerten können.« Also auf smarte Art und Weise die Instrumente nutzen, die da sind, statt Business as usual betreiben. Als alle Leute Masken brauchten, hat der findige Apotheker mit einem Masken-Post inklusive Foto bei Facebook mit gerade mal 50 Euro fürs Facebook-Marketing genau definierte 13.000 Personen erreicht. So etwas bleibt im Gedächtnis der Kunden haften.

Hurra, ein Fehler – hier können wir besser werden!

Zu den Feldern telepharmazeutische Beratung, Abholfächer und Botendienst weiß der Apotheker aus Mecklenburg-Vorpommern: »Der Kunde will alles jetzt.« Bildschirme mit Kameras, gute Rezeptsammelstellen und eine KI-Software fürs Warenlager (95 % der Ware ist da, inklusive App-Verknüpfung) – für jedes Problem gibt es auch eine Lösung. »Sagen Sie: Hurra, ein Fehler, hier können wir besser werden! Es ist wichtig, dass wir ins Machen kommen«, lautet Kösters Fazit. »Apotheken sind momentan Versuchskaninchen, doch statt uns vom Wandel antreiben zu lassen, sollten wir den Wandel selbst vor uns her treiben.«

Zusammen statt gegeneinander bringt in der heutigen Zeit deutlich mehr Benefit, lautet der Ratschlag der Referenten. »Vor allem müssen wir nach außen kommunizieren: Wir sind toll. Da kommt etwas, aber wir müssen keine Angst davor haben. Bleiben Sie entspannt, lernen Sie von den großen digitalen Unternehmen und schauen Sie sich die guten Dinge beim Wettbewerb ab!«

30.12.2021
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