Emotionen: Orchestrales Meisterwerk der Neurotransmitter oder »Hilfe, hatte ich auch schon einmal!«

Energie, Emotion, Ergebnis: Das sind drei aufeinanderfolgende Artikel für das Jahr 2020. Der heutige Teil zwei unseres Tripels beginnt, genauso wie in der ersten Jahreshälfte, mit einem wahren Paukenschlag und entwickelt sich anders als erwartet. Sie selbst entscheiden gleich, wie Sie die Rahmenbedingungen unter Vorgabe des Themas nutzen werden. Worauf richten Sie trotz oder gerade wegen dieser unabänderlichen Vorgaben Ihren (emotionalen) Fokus?

Hier kommt die herzliche Einladung, erst einmal eine Solisten-Rolle in diesem Artikel zu übernehmen! Denn ich habe beschlossen, Ihnen das Schreiben der Ouvertüre selbst zu überlassen, um Sie danach auf eine musikalisch-metaphorische Reise in die Welt der Emotionen mitzunehmen.

Bitte beantworten und vervollständigen Sie zuerst die folgenden Sätze im Sinne eines Lückentextes:

  1. Wenn ich an Emotionen denke, fällt mir sofort der folgende Begriff ein: (Bitte ergänzen Sie das erste Wort, das Ihnen einfällt).
  2. Folgende Situation im Apothekenalltag der vergangenen sechs Monate belege ich persönlich mit dem Wort »emotional:« (Welche Situation taucht nun vor Ihrem geistigen Auge auf?).
  3. Rationale und emotionale Reaktionen sind für mich zwei vollkommen verschiedene Paar Schuhe! (Bitte antworten Sie und/oder kreuzen Sie an: Ja, nein, vielleicht).
  4. Ich selbst halte mich für den emotionalen/rationalen Typ Mensch (Ja, nein oder weiß ich nicht).
  5. Ich definiere Emotionen folgendermaßen: (Bitte ergänzen Sie hier Ihre ganz eigene Definition).

Vielen Dank für Ihre Mitarbeit! Möglicherweise sind Ihnen die Antworten und Entscheidungen leicht gefallen. Vielleicht mussten Sie auch darüber nachdenken. Eventuell haben Sie gedacht: Ja, das mit der Achterbahn verstehe ich zu gut. Besonders die letzte Frage ist schwierig. Denn Emotionen zu fixieren und zu katalogisieren, kann schon ein äußerst emotionaler Akt und eine klare Challenge für den rationalen Verstand ob vermeintlicher Nicht-Messbarkeit sein. Kommen wir doch aus einem wissenschaftlichen Studium und sind gern kompromisslos zahlen-, daten- und faktenorientiert. Schwarz oder weiß. Hard Facts übertönen meist Soft Skills (zumindest in der Vergangenheit).

Reagieren wir rational oder emotional?
Doch entspricht das den tatsächlichen Gegebenheiten? Reagieren wir nun ausschließlich und unvereinbar rational oder emotional? Zeit herauszufinden, welche Variationsbreiten, welchen musikalischen Ohrenschmaus uns Emotionen im wahrnehmbaren, dreidimensionalen Feld bereiten können! Wie bei jeder guten Symphonie haben wir uns zunächst gemeinsam im Orchestergraben eingefunden. Jeder hat die für sich passende emotionale Grundstimmung auf der Noten-Skala gefunden. Mit einem Wort und einer Situation belegt. (Halten Sie kurz noch einmal inne, kehren Sie gedanklich zur Aufgabe in Ihre Apotheke zurück und erlauben sich eine emotionale Bewertung – einschlägigen Berichten zufolge soll der Grundtenor – um es vorsichtig auszudrücken – eher getrübt, verhalten, wenig optimistisch sein. Wie ist Ihre ganz persönliche Einschätzung?)

Der Dirigent schüttelt der ersten Geige nun die Hand, wir setzen sie metaphorisch mit unserem logischen Verstand, unserer Ratio gleich, und schon an dieser Stelle dürfte klar werden, dass Emotionen weder Zeit noch Raum lassen für sogenannte Befindlichkeiten, die vorübergehender, oberflächlicher Natur sind sowie wenig Präsenz und Aufmerksamkeit fordern. Denn nur tief im jeweiligen Klangkörper finden wir die Energien, die in der Lage sind, Emotionen in Bewegung zu setzen.

Ein Positiv-Crescendo begleitet von Hoffnung, Optimismus, Begeisterung, Liebe, Freude, Freiheit und Wertschätzung. Ein Decrescendo, angefangen mit Langeweile, Pessimismus, Enttäuschung, gepaart mit Scham, Schuld, Ärger, enden wollend in Hass oder Eifersucht (um nur einige der stets verfügbaren Spielarten zu nennen). Ein einziges philharmonisches, energetisches und im besten Falle energetisierendes Feuerwerk. Diese Vielfalt an emotionalen Möglichkeiten tatsächlich so dezidiert wahrzunehmen, verlangt gerade zu Beginn ein sehr gutes Gehör und eine genaue Klärung, was in der Partitur vorgesehen ist.

Emotionen sind die Sprache des Körpers
Emotionen haben wir alle. Und verbinden sie mit erlebten Situationen (siehe Punkt 2 der Ouvertüre) und bekannten Personen. Wir erleben sie oft ohne Unterlass unbewusst. Mal laut, mal leise. Emotionen sind die Sprache des Körpers. Unser Körper spielt die gesamte Klaviatur der Gefühle mittels Neurotransmittern und Neuropeptiden rauf und runter. Eine einzige Etüde. (Falls Sie zu den Musikschülern gehören, die diese Stunde um Stunde einstudieren durften, so ist Ihnen sicher das Gefühl vertraut, sich in dieser Übung verlieren zu können. Die Finger übernehmen die Kontrolle. Das Hirn macht »nur« noch mit. Der Körper kennt die Etüde am Ende besser als der Verstand).

Alte Bekannte tauchen je nach Notenschlüssel auf: Dopamin, Serotonin, Adrenalin, Cortisol – wir können die Liste beliebig verlängern – haben den Dirigentenstab an sich gerissen und die erste Geige (unser allseits so hoch geschätzter Verstand) hat Pause. Doch wie kann es sein, dass auch ohne rationale Führung das gesamte Orchester ein Lied synchron spielt? Ärger? Trauer? Optimismus? Leidenschaft? Nun, die dazu passenden Proteine, eben unsere Neurotransmitter sind der körperliche Ausdruck unseres Wahrnehmens und wir erleben sie als Emotion immer wieder in Abhängigkeit von ihrer Ausschüttung. Oft lassen wir uns jedoch im Grundrauschen des (Apotheken-) Alltages dahin tragen und merken erst dann auf, wenn sie uns schier »übermannen«

Cortisol-, Testosteron- und Adrenalin-Ausschüttung
Stellen wir uns vor, mit unserem ersten Geiger geht nach der Pause der Bogen so richtig durch und er nimmt gar keine Rücksicht mehr auf den Rhythmus seiner neben ihm sitzenden Kollegen. Schon sind möglicherweise emotionale Missklänge wie Unverständnis, Wut oder intensives Fremdschämen im Raum und können so zu einer wahren Kakophonie führen! Übertragen wir in dieser Form Miss-Stimmungen in den HV, so wird hinreichend klar, aus welchem Grund der ein oder andere mit Gehirnen in Aktion zu tun hatte, hat und haben wird, die bedingt durch ein Übermaß an Cortisol-, Testosteron- und Adrenalin-Ausschüttung kaum zu bremsen sind, alles um sich aufgrund dieser Botenstoff-Ausschüttung (cholerisch) übertönen und nur mühsam wieder in Gleichklang kommen.

Dieses Musikstück kennen wir, so wage ich zu behaupten, in der ein oder anderen Form alle. Doch »kennen« und definieren ist nicht das Gleiche. So wie wir wider besseren Wissens ob der Tatsache, dass dies eine geschlossene und darüber hinaus auch noch eine Suggestivfrage ist, unseren Kunden – vollkommen versehentlich – im Rahmen der Leitlinie interviewen und ihm ein »Kennen Sie das Arzneimittel?« entgegen rufen. Unser Kunde darauf geflissentlich mit dem Kopf nickt, uns verschwörerisch anblinzelt und versichert: »Natürlich kenne ich das Arzneimittel!«. Wir hingegen kein bisschen schlauer geworden sind ob der genauen, geschweige denn individuellen Definition von »kennen«. Darauf lassen wir uns am besten erst gar nicht ein. Weder im pharmazeutischen Kontext noch im Hinblick auf Emotionen.

Emotion oder doch Gefühl?
So bedienen wir uns des Wikipedia-Vorschlages und erfahren, dass »Emotion eine psychophysische Bewegtheit bezeichnet, die durch die bewusste oder unbewusste Wahrnehmung eines Ereignisses oder einer Situation ausgelöst wird, …«. Besondere Beachtung verlangt hier das Wort »psychophysisch«. Erklärt es doch den Unterschied zu den »Gefühlen«, die in derselben Definition als »der allgemeinere Begriff, der die unterschiedlichsten psychischen Erfahrungen einbezieht« beschrieben werden. Halten wir also fest, dass Körper und Geist untrennbar und miteinander über Neurotransmitter verbunden sind (und die in der Vergangenheit einstudierten Abläufe für ein gemeinsames orchestrales Meisterwerk sorgen).

Unser Verstand als »Gehirn in Aktion« ist dasjenige Instrument, das gern die Führung übernehmen möchte. Es misst, welche Töne (Neurotransmitter) ausgesendet werden und überprüft Klänge und Emotionen. Befindet für richtig oder passt das Tempo an. Je nach adagio oder allegro mehr oder weniger schneller Bogenstrich und dementsprechend mehr oder weniger Produktion im Miteinander der Transmitter. Und doch reagiert der Verstand lediglich und sehr empfindlich auf nur minimalste Abweichungen im emotional fixierten Körper-Barometer.

Der Körper als emotionaler Klangkörper
Jeder Bereich des Orchesters hat seinen eigenen, angestammten Platz. Je nach Emotion seinen eigenen Transmitter. Seinen eigenen Bedarf. Ist genetisch fixiert und doch variabel im Ausdruck. So ist je nach Anforderung und Gebrauch das Ausmaß der Protein-Produktion ebenfalls messbar anders. Ein Wutanfall benötigt definitiv andere Energien als ein Lachanfall. Zwar mag die gefühlte Wutenergie zunächst eine höhere sein. Doch ist diese im Körper gebunden. Während eine Lachflash-Energie im wahrsten Sinne so ansteckend ist, dass sich ganze Zugabteile (oder auch Apotheken) von dieser freiwerdenden Energie mitreißen lassen.

Kommen wir zum sinfonischen Finale und beschließen, dass Gehirn und Körper, dass Ratio und Emotion nicht voneinander zu trennen sind. Dass sie sich gegenseitig bedingen. Dass der Körper als emotionaler Klangkörper die Dirigentenrolle übernehmen kann. Vom logischen Verstand immer wieder abgeglichen wird, welche Emotion per Neurotransmitter gerade das Erleben bestimmt.

Positive Emotionen und Absichten trainieren
Und was genau bedeutet das für unsere Apothekensinfonie? Die tagtägliche Aufführung, die Premieren und die Sondervorstellungen? Sie alle haben gemeinsam, dass wir bewusst, sehr bewusst auf unsere eigenen Emotionen, die eigenen, gerade vorherrschenden Klänge hören und lauschen dürfen. Um so in einen Gleichklang mit unseren uns umgebenden Orchesterkollegen zu kommen. Gleich, ob in der Rolle als Solist, erster Geiger oder Dirigent.

Das Ergebnis wird ein umso besseres sein, je präziser wir genau das trainieren, eben bewusstwerden und machen, und je überzeugter wir vom positiven Ausgang sind und genau diese Absicht auch setzen. Übrigens ist ja Lachen bekanntlich die beste Medizin. Ergänzen wir willentlich, einfach, weil wir es können, noch Dankbarkeit, so erzeugen wir über einen einzigartigen Neurotransmitter-Cocktail eine immens signifikante Steigerung der Immunglobulin A Produktion (Soll ja bekanntlich in genau dieser Zeit von besonderem Vorteil sein).

Ist Ihnen schon folgendes aufgefallen: Wir können nur eine Emotion gleichzeitig fühlen. Sind wir dankbar, so können wir nicht wütend sein. Sind wir traurig, können wir uns nicht gelangweilt fühlen. Wieso also nicht virtuos und hingebungsvoll improvisieren statt sich ergebnis- und hilflos auf den Schwingungswellen dahintreiben zu lassen?

Optimismus ist eine Entscheidung
Unsere Trilogie wird ihren letzten Teil dem Thema »Ergebnis« widmen. Ich setze einmal voraus, dass wir alle möglichst erfolgreich sein wollen im Erzielen des Ergebnisses, das uns vorschwebt. Und definieren wir Erfolg als das Ergebnis von Ausdauer und Disziplin, gepaart mit Zuversicht, Selbstwirksamkeit und dem nötigen Quäntchen Glück, so will uns auch dieser dritte Teil in energetisch stimmungsfrohe, wertvolle, hochfrequente Emotionen entführen.

Glück, Zuversicht, Hoffnung, Optimismus sind niemals Ergebnisse. Sie sind eine Entscheidung. Immer und immer wieder eine Entscheidung. Dafür! Treffen wir sie gemeinsam. Für eine glückliche, emotional starke und bestärkende Zukunft der Apothekenwelt. Für den #kraftortapotheke. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen eine glückliche Zeit.

02.09.2020
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