Perspektive: Heilberuf im »Kraftort« Apotheke – Kongruenz von Pharmazie und Betriebswirtschaft

Größtmögliche Kongruenz von Wissen und Verdienen sind gefragt, um den Heilberuf kaufmännisch bestmöglich leben zu können.

»Wir können mehr als Viele wissen und verdienen weniger als Viele glauben.« So der Satz eines angehenden pharmazeutischen Coaches in der Vorstellungsrunde zur Ausbildung auf die Frage, was sie über die pharmazeutische Welt glaubt. Wir arbeiten und leben an einem Ort, der einen steten Spagat zwischen kaufmännischen Inhalten und breit gefächertem Wissen erfordert.

Diese Vielfältigkeit erfährt gerade im letzten Jahr eine signifikante Veränderung, welche die bisherigen Gedankenwelten massiv erweitert und teils auch zum Einstürzen bringt. Ein Festhalten am traditionellen und altbewährten Apothekenleben und seinen eingespielten Routinen scheint schon länger nicht mehr zielführend zu sein. Gut beraten ist, wer sich voller Offenheit und Neugierde ganz flexibel fremden Ufern zuwendet und sich mitsamt seiner Apotheke auf die Reise in eine neue Ära begibt, in der Apotheke ab sofort nicht mehr länger mit dem Begriff »Krankheit« simultan verwendet wird, sondern als energetisch wertvoller Ort der Heilung begriffen wird.

In diesem vierten und abschließenden Teil der Perspektiv-Reihe, begonnen mit Heft 1 des Jahres 2021 wagen wir uns an eine Betrachtung unseres Heilberufes und beleuchten die sich anbietenden Möglichkeiten der stattfindenden Veränderungen. Unter anderem, indem wir die drei ersten Artikel in diese Analyse einfließen lassen. Dort hatten wir schon herausgefunden, dass es grundsätzlich allein an uns liegt, wie sehr wir uns unserer Verantwortung stellen, uns kritisch mit den aktuellen Situationen auseinandersetzen und die Veränderungen im Gesundheitswesen, der Apothekenlandschaft und auch dem Angebot zukünftiger pharmazeutischer Dienstleistungen als berufliche und persönliche Wachstumschance anerkennen.

Oder eben doch verharren in Erinnerungen an die guten alten, planbaren, gewohnten und sicheren Zeiten, die so viele von uns auf der ein oder anderen Ebene schmerzlich vermissen. Wie stets kommt es darauf an, für welche Sichtweise wir uns im Einzelnen und als Berufsstand im Gesamten entscheiden. A propos Entscheidung. Viele von einiger Tragweite mussten bereits gefällt werden: Testungen – ja  oder nein. Testzentrum: ja oder nein. Beteiligung an Impfaktionen? PCR-Tests durchführen? Was wird das Jahr 2022 für uns noch bereithalten? Und wie stehen Sie zum Erstellen der Impfzertifikate? Fluch oder Segen? Was kommt danach? Wie werden Sie die Lücke füllen? Teilen Sie gerne Ihre Gedanken mit uns!

Die Zeiten ändern sich – immer wieder und wieder

Und während all dies in Ihre Überlegungen einfließt, kochen die Erstsemester weiterhin an Ihren anorganischen Analysen und beschäftigen sich im weiteren Verlauf des Grundstudiums mit der Systematik der Arzneimittelpflanzen. Damals, wie immer die genaue Zeitangabe auch sein möge, waren diese Inhalte noch von Relevanz. Doch heute? Abgesehen von den bereits erwähnten aktuell präsenten Aufgaben, haben politische Reformen und anderweitige gesetzliche Anforderungen den kaufmännischen Part unserer Tätigkeit immer weiter in den Vordergrund rücken lassen. Es ist die Rede von optimieren, skalieren, effizienter und schneller agieren.

Korbumsätze werden zu Rate gezogen und im besten Falle im Rahmen einer kompletten betriebswirtschaftlichen Analyse zum Marker für Erfolg und Existenzsicherung. Gesundheit scheint zu einer käuflichen Ware verkommen, deren Preis am liebsten im besten »Geiz-ist-geil-Modus« gegen Null tendiert. Dabei wird völlig außer Acht gelassen, dass Geld nichts anderes als ein Energieausgleich ist. Dass Sparen, auch am höchsten Gut Gesundheit, Mangeldenken ist und nichts anderes produziert als weiteres Mangelerleben. Eine sich nach unten Richtung Krankheit bewegende Spirale. Wer sich selbst in Ergänzung als »nur indirekten Heilberufler« begreift, der ja »nur« durch das Zurverfügungstellen von Arzneimitteln eine Heilung bewirkt, degradiert sich selbst, leistet dieser Einschätzung weiteren Vorschub und manifestiert Apothekensterben.

»Wir wissen mehr als Viele glauben.«

Zeit, sich unter Konzentration auf Teil 1 des oben zitierten Satzes die Definition des Heilberufes zu Rate zu ziehen. Das Bundesgesundheitsministerium schreibt dazu: »Zu den Heilberufen zählen diejenigen Berufe, deren Tätigkeit die Heilung von Krankheiten und die medizinisch-helfende Behandlung und Betreuung von Patienten erfasst«. Was könnte unseren Beruf besser beschreiben? Wir dürfen niemals unterschätzen, wie hoch der Einfluss auf die Heilung ist, den wir allein durch den Kontakt mit unseren Kunden nehmen. Und während dieses Aufeinandertreffens vermitteln wir darüber hinaus unser Wissen. Schütteln es aus dem Ärmel. Für uns »normal« und an der Tagesordnung.

Wir dürfen uns an dieser Stelle deutlich bewusst machen, dass dem alles andere als »normal« ist. Wir wissen viel mehr als viele glauben, die das auch überrascht zum Ausdruck bringen: »Ach, ich wusste gar nicht, dass Sie sich damit auskennen!« Und wie schätzen wir uns selbst ein? Was wir tun, ist großartig. Was wir leisten, ist großartig. Und nicht klein-artig. Vergessen wir das nie. Gibt es hier doch kennzeichnender Weise auch einen sehr schönen Witz, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.

Drei Studenten, ein Jura-, Architektur- und ein Pharmaziestudent erhalten einen Auftrag. Sie sollen das Hamburger Telefonbuch auswendig lernen. Der Jurastudent verklagt den Auftraggeber, der angehende Architekt erstellt einen Plan. Der Pharmaziestudent fragt: »Bis wann?«

Und genau diese Gegenfrage ist aktuellst. Wir werden gebeten, in die Umsetzung zu kommen. In der momentanen Situation Dienstleistungen zu übernehmen, die nicht direkt mit der ordnungsgemäßen Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln zu tun haben. Wir fragen: »Bis wann?« In der Wahrnehmung der einen eine Riesenchance, in der Welt der anderen ein klares No-go. Kaufmännische Aspekte und damit Teil 2 der Eingangs geschilderten Aussage sollten hier Berücksichtigung finden. »Wir verdienen weniger als Viele denken.« Umsetzung um der Umsetzung willen ist fatal. Umsetzung um des neu zu schaffenden Dienstleistungsangebotes willen hingegen wünschenswert.

Und wie in dem Wort schon so schön enthalten: Diese Leistung darf und muss angemessen honoriert sein. Wir erinnern uns: Wir und die durch uns erbrachten Leistungen sind großartig, nicht ...! Sowie: Finanzieller Ausgleich ist nichts anderes als Energie in den Rückfluss zu bringen. Je höher die Energie, so dürfen wir zu Recht vermuten, umso höher auch der monetäre, energetische Ausgleich.

Das Wort »Berufung« erscheint in diesem Moment vor unserem geistigen Auge.

Übertragen wir genau diesen Aspekt auf unsere alltägliche Arbeit. Mit Herz und Seele und voller Energie unseren Beruf auszuüben oder kurz vor dem sich anbahnenden Burn-out die Stunden bis zum Feierabend kleinkrämerisch zu zählen, macht einen definitiven Unterschied. Wie überall im Einzelhandel spürt ein Kunde genau, wo er willkommen ist und der Verkäufer sich um mehr sorgt als nur um das Zählen der Kasse. Gehen Sie genau jetzt einmal gedanklich in Ihr Lieblingsgeschäft und kaufen ein! Was macht diesen »Laden« zu einem Ihrer bevorzugten Einkaufsorte? Die Personen dort? Das Ambiente? Die Auswahl? Die Bedienung? Vermutlich wird es mehr als ein Faktor sein, der Sie zu Ihrem Lieblingsort führt. Einem Ort an dem Sie sich schlicht und ergreifend bei dem, was Sie tun wohlfühlen und – wahlweise  unbewusst – positive  Energie tanken. Und nichts anderes meint »Kraftort Apotheke« auch. Wer spirituelles Geschwurbel hinter dem Begriff vermutet, liegt schlicht und ergreifend falsch. Es geht darum, die PS in einer Wohlfühlumgebung auf die Straße zu bringen. Evidenzbasierte Arzneimitteltherapie als Basis, ergänzt durch komplementärmedizinische Aspekte.

Systemische Heilung im Blick.

So haben wir im Rahmen der sich gerade verändernden pharmazeutischen Dienstleistungen die Möglichkeit, aus dem Paradigma »Apotheke ist gleich Arzneimittel ist gleich Krankheit« auszusteigen. Wir können sogar die Seite der Skala wechseln und einen Ort kreieren, an dem sich unsere Kunden so wohl fühlen, dass sie Kraft tanken. Einen Lieblingsort, an dem auch wir in unserer tagtäglichen Berufung im Flow sind.

Und sollten wir nicht lieber in diesem Zusammenhang auch unsere Wortwahl hinsichtlich »Kunde« noch einmal überdenken und »Kunden« durch »Patienten« ersetzen? Spätestens im Rahmen der zu erwartenden Arzneimitteltherapiesicherheits-Gespräche macht diese Feinheit in der Ausdrucksweise einen signifikanten Unterschied, wie bereits per Studie belegt werden konnte. Erneut ist die Frage legitim, in welcher Absicht wir uns unserem Gegenüber in der umfassenden Beratung, die wesentlicher Teil des Heilgeschehens ist, nähern.

Wollen wir ausschließlich Kennzahlen positiv beeinflussen und uns des kaufmännischen Anteils unseres Berufes bedienen oder entscheiden wir uns dafür, dass gute Beratung sich automatisch in höheren Umsätzen widerspiegelt und somit ein Marker für die Zufriedenheit der Heilung Suchenden ist? Größtmögliche Kongruenz von Wissen und Verdienen sind gefragt, um den Heilberuf ebenfalls kaufmännisch bestmöglich leben zu können. Bringen wir in diesem Sinne Pharmazie und Betriebswirtschaft energetisch in einen sich ausgleichenden Fluss – unseren  Beruf und die Heilung unseres Gegenübers stets fest im Blick, so dass die Perspektive für 2022 eine weit Bessere ist als wir uns zum jetzigen Zeitpunkt träumen lassen!

In diesem Sinne lassen Sie uns die Möglichkeiten sehen und das Jahr 2022 rocken.

23.09.2022
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