Verantwortung: Schwere Bürde oder Perspektive der Aufbruchsstimmung in die Freiheit?

»Die Verantwortung ruft. – Sag ihr, ich rufe zurück!« Was sich auf den ersten Blick so witzig lesen mag, erteilt der Verantwortung in der Realität eine traurige Absage. Denn im Anschluss stellt sich wie so häufig – nicht nur, aber gerade im Apothekenalltag – die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt.

Dem richtigen Zeitpunkt für den Rückruf auf der einen und damit für Kontaktaufnahme zu dem (an-)rufenden Gesprächspartner auf der anderen Seite. Den richtigen, den passenden, den einen Moment gibt es leider für das »Sich-stellen« der Verantwortung, der Selbstverantwortung, der Verantwortung für das, was geschieht, getan oder unterlassen werden soll, im klassischen Sinne nicht.

Schon sind wir mitten in unserem Thema »Perspektive Verantwortung« angekommen. Dem zweiten Teil unserer Serie, die sich zu Jahresbeginn im Treuhand Magazin mit der »Perspektive Veränderung« auf unterschiedlichen Ebenen beschäftigt hat. Auch in diesem Text werden wir Bezüge zu diesen Ebenen herstellen, die uns Robert Dilts mit seinem pyramidenartigen Modell der prozesshaften Entwicklung an die Hand gegeben hat. Jedoch mit einem etwas anders gelagerten Fokus. Denn Verantwortung bietet uns implizit als Wert schon den Ausgangspunkt auf der vierten seiner Ebenen an. Dort befinden sich Werte, unsere Motivatoren.

Was ist Verantwortung für Sie?

Und an dieser Stelle die direkte Frage an Sie: Wie stehen Sie zur Verantwortung? Was verbinden Sie mit diesem Begriff? Ist das eher etwas unbequem für Sie, Verantwortung zu übernehmen? Zieht sich da etwas in Ihnen zusammen und dreht sich innerlich zur Seite weg? So nach dem Motto: »Zurzeit leider nicht erreichbar?« Was würde denn daraus resultieren, verantwortlich zu sein? Oder welche Resultate haben Sie bereits erzielt? Im beruflichen Kontext. Und für Sie ganz persönlich – Stichwort Selbstverantwortung.

Wikipedia nutzt als erstes Wort in einer sehr ausführlichen Definition, die ich uns an dieser Stelle erspare, Ihnen allerdings sehr an Herz lege, wenn Sie tiefer für sich selbst den Begriff »Verantwortung« reflektieren wollen, die Bezeichnung »Verpflichtung«. Und schon sind wir in ähnlichen Fragestellungen: Was löst denn dieses Wort in Ihnen aus? Eher schwer? Erdrückend? Eine Last? Eine Bürde, eine ungeliebte Pflicht, die Sie lieber nicht tragen wollen? Oder stellen Sie sich der Übernahme und Verpflichtung in der Verantwortung?

Wenn Sie sich dieser Fragen annehmen, werden Sie Antworten bekommen. Und diese Antworten werden Ihnen Erklärungen liefern können für das, was Sie im Moment bei sich und auch im systemischen Kontext an Aktivismus, an positiven Aktionen und auch an negierenden Ansätzen erfahren.

»Wo der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen!«

Dieses chinesische Sprichwort lässt sich tadellos analog auf die heutige Apothekensituation übertragen.

Wo die einen mauern, bauen die anderen Testzentren. Wo die einen sich noch beschweren, sind die anderen aktiv unterstützend unterwegs in Impfzentren. Wo die einen der Vergangenheit nachtrauern, schmieden die anderen die heißen Eisen für die Zukunft ihrer Apotheke. Und ja: Das Bewusstsein dafür, dass dies nun, gerade für die »einen« ein wunder Punkt sein kann, der mehr als nur kontrovers diskutiert wird, ist vorhanden. Zu Recht, meiner Meinung nach. Denn es gibt mehr als nur das »Schwarz-Weiß«-Denken. Alle Grautöne dürfen berücksichtigt werden und jede Apotheke hat ihre eigene Geschichte. An dieser Stelle die herzliche Aufforderung an Sie, geneigter Leser, geneigte Leserin, sich an dieser Diskussion aktiv zu beteiligen und Ihre Apotheken-Geschichte zu teilen. Wie stehen Sie zur aktuellen Entwicklung der Dienstleistungen? Maskenverteilung, Impfungen (ganz gleich, ob in Bezug auf Grippe, COVID oder auch im ganz großen Rahmen), mögliche zukünftige Ausstellung von digitalen Impfausweisen? Welche Verantwortung übernehmen Sie aus welchem Grund schon jetzt oder werden Sie und Ihr Team (nicht) übernehmen? Lassen Sie gern Ihre Antworten der Treuhand Hannover unter redaktion(at)treuhand-hannover.de zukommen: Ich bin gespannt!

Achtung Wortspiel: »Ver-Antwort-ung«!

Machen wir einen kleinen Ausflug in die manchmal so wunderbare deutsche Sprache: Denn in Verantwortung steckt das kleine Wörtchen »Antwort«. Welche Antwort geben Sie – als Chef, als Inhaber, als Apotheker? Welche Antwort geben wir – die Apothekerschaft? Welche Antworten bekommen wir – von der Politik, Gesundheitsminister Spahn, den Kunden? All diese Antworten resultieren aus dem Gefühl der (ethischen) »Ver-Antwort-ung«. All diese Antworten sagen mehr über den aus, der sie gibt, als über den der sie empfängt. All diese Antworten entspringen dem einen Moment der Entscheidung. Und hinter diesem Moment der Entscheidung liegt die Freiheit. Die Freiheit, genau diese eine Entscheidung zu treffen. Oder auch nicht zu treffen.

Allerdings bedeutet eine vermeintliche »Nicht-Entscheidung«, dass wir automatisch die Entscheidung für etwas anderes treffen. Übertragen wir dies wieder in den Kontext Dienstleistungen, so benötigen wir sicher Entscheidungshilfen, die uns einen gewissen Rahmen vorgeben. Auch hier eine Analogie zur Verantwortung. Denn diese orientiert sich ebenfalls an gewissen Normen und Regeln. Doch wo die Dienstleistungen sich auf Zahlen, Daten und Fakten beziehen können und sehr gut messbar sind, entspringen Normen und Regeln der fünften Ebene der Dilts’schen Pyramide: unserer Identität.

Neue Dienstleistungen für Ihre Apotheke?

Hier scheiden sich möglicherweise erneut die Geister in der Fragestellung: Sind das meine Normen und Regeln? Will ich mich mit ihnen identifizieren? Deshalb bleiben wir für heute in dem vermeintlich sichereren Gebiet der Zahlenwelt. Mit Ihrer Hilfe können wir ganz übergeordnet und wertneutral ermitteln, ob eine bestimmte Dienstleistung für die eigene Apotheke in Frage kommt. So können wir uns dieser Antwort nähern, indem wir zwei Faktoren berücksichtigen: Häufigkeit und Zeit. Wie viele Kunden werden die entsprechende Dienstleistung in Anspruch nehmen und wie viel Zeit wird das Personal mit der Ausübung verbringen?

Unterschiedliche Staffelungen von »kurz« bis »lang« und »selten« bis «oft« bringen Sie kalkulatorisch voran. Bei Interesse wenden Sie sich bitte auch hier an die Treuhand Hannover. Sie können auf diese Art und Weise sehr schön für sich ermitteln, wo Sie im Bereich neuer Dienstleistungen, die sicherlich ebenfalls in diesen veränderungsreichen Zeiten ein neues Denken erfordern, herausfinden, was Ihnen, Ihrem Team und Ihren Kunden (langfristig) Energie raubt oder was Ihnen Energie schenken wird.

Mit der Ihnen innewohnenden Entscheidungsfreiheit bestimmen Sie damit aktiv Richtung und Perspektive Ihrer Entwicklung. Sie filtern auf vielen Ebenen, was Sie tun »wollen« oder »müssen«. Ich darf an dieser Stelle ein Zitat von Yehudi Menuhin einbringen, welches diese Begrifflichkeiten in den Kontext »Verantwortung« und »Freiheit« auf eventuell überraschende Art und Weise einbezieht: »Freiheit ist nicht Freiheit zu tun, was man will, sondern sie ist die Verantwortung das zu tun, was man tun muss.« Woher wissen wir nun, was wir tun müssen? Sind wir nicht abhängig von dem, was uns als »Steilvorlage« von außen angeboten wird? Auch hier möge uns ein Zitat weiterhelfen.

»Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.« Viktor Frankl

Konzentrieren wir uns auf den Raum. Den Raum, der zwischen dem Äußeren, den Erwartungshaltungen, dem Druck, den Anforderungen liegt, die tagtäglich auf uns einprasseln und uns zum Reagieren auffordern. Und erlauben uns diesen Raum einzunehmen. Einen Raum, in dem wir (noch) alle Reaktionsmöglichkeiten haben. In dem (noch) nicht entschieden ist. Gehen wir in uns und überprüfen anhand valider Daten, anhand unseres Bauchgefühls sowie im Austausch mit Gleichgesinnten, was eine verantwortungsvolle Reaktion sein kann, die nicht nur materialistisch orientierten Belangen genügt, sondern zum Wohle des Ganzen ist.

Dann verschaffen wir uns mit diesem Raum den Raum der Freiheit durch Verantwortung. Und durch unsere reflektierte Antwort, von der im Übrigen auch niemand behauptet hat, sie müsse eine Millisekunde später erfolgen, öffnen wir weitere Räume. Räume, in denen sich Dinge, Dienstleistungen, Kooperationen, Netzwerke verwirklichen lassen, die vorher nicht denkbar waren. Ganz pragmatisch kann sich so aus einer Impfaktion eine logische Kausalkette entwickeln, in der sich das Digitalisieren von Impfausweisen und in der Folge ein komplettes Impfmanagementsystem anschließen könnten.

Noch im Konjunktiv. Noch zukünftig. In Abhängigkeit davon, wie viel Freiheit wir dem Begriff der »Verantwortung« beimessen. In Abhängigkeit davon, wie viel Raum wir uns geben und nehmen, um voll positiver Aufbruchsstimmung in unwägbaren, sich stets verändernden Zeiten eine positive Perspektive beizubehalten. Und last but not least in Abhängigkeit davon, wie gut es uns gelingt Reiz und Reaktion im Interesse aller Beteiligten, gleich, ob im HV, im Backoffice, im Test- oder Impfzentrum oder am grünen Tisch voneinander zu trennen.

In diesem Sinne eine auf allen Ebenen leichte, verantwortungsbewusste, Reiz-Reaktions-Muster trennende und positiv veränderungsvolle Zeit für Sie und Ihre Teams. Im Hinblick auf den Fortbestand der Apotheke-vor-Ort als #kraftortapotheke bleibt es weiterhin bei: #weilesnochniewichtiger war. Und voller Verantwortungsbewusstsein dürfen wir ergänzen: #weilesniewichtigerseinwirdalsjetzt

23.12.2021
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