Chancenort Apotheke – Aufwind für die Branche?
»Wir erwarten einen Seitwärtstrend bei den Betriebsergebnissen«: Der Geschäftsführer des Treuhand-Verbandes, Dr. Sebastian Schwintek, erläuterte Zahlen, Daten und Fakten.

Welche Trends bestimmen das Jahr 2026, wie schließt 2025 ab und wie wirken sich die möglichen Pläne der neuen Bundesregierung auf die Betriebe aus? Dr. Sebastian Schwintek, Geschäftsführer des Treuhand- Verbandes Deutscher Apotheker e. V. und Treuhand- Generalbevollmächtigter, analysierte die Lage in seinem Branchenlagebericht - mit jeder Menge Zahlen, Daten und Fakten.
Fixumsfrust oder Rohgewinnrausch? Das Umsatzwachstum (Stand Juni 2025) scheint sich erst einmal fortzusetzen: »Es gibt einen Zuwachs von 7,4 Prozent an durchschnittlichem Umsatzerlös gegenüber dem Vorjahr«, zeigte Schwintek anhand der Treuhand-Auswertung.
Vier wichtige Faktoren führen zu diesem Ergebnis:
- Die Demografie treibt den Arzneimittelverbrauch nach oben.
- Höherpreisige Arzneimittel (GKV-Rx) treiben den Umsatz.
- Der Schließungstrend bei Apotheken geht unvermindert weiter.
- Im OTC-Markt bestimmen Preis- nicht Absatzeffekte das Bild.
»Es gibt zwar immer noch Verluste je Packung GKV-Rx nach dem Skontourteil, aber trotzdem wächst der durchschnittliche Rohgewinn um stabile 3,3 Prozent«, so Schwinteks Analyse.
»Das sieht erst mal gut aus, wenn da nicht die Kosten wären«, minderte der Geschäftsführer die Freude. »Das Betriebsergebnis wird von den steigenden Betriebskosten von über 4,2 Prozent quasi aufgefressen.« Die Tariferhöhung 2024 manifestiert sich nun in den Ergebnissen. »Wir erwarten einen Seitwärtstrend bei den Betriebsergebnissen bei nur noch etwas über 16.500 Apotheken am Jahresende.«
Die nach Ertragsstärke gestaffelte Drittelbetrachtung zeige, dass das untere Drittel mit Betriebsergebnissen von 10.000 Euro eigentlich nicht überlebensfähig sei, vor allem weil die Betriebskosten dort fast 20 Prozent des Umsatzes ausmachen. Im oberen Drittel sind es dagegen nur 13,8 Prozent.
Was bringt uns 2026?
»Wachstumstreiber für das nächste Jahr sind wie schon 2024 und 2025 die Hochpreiser, die Demografie, Schließungen und die NonRx-Preiseffekte«, so Schwintek. Auch der gesunkene Kassenabschlag und der gestiegene Netto-Rohgewinn um 0,19 Euro je Packung tragen dazu bei. Offene Fragen sind unter anderen: Wann starten vergütete Leistungen für Apotheken im Zusammenhang mit assistierter Telemedizin und ePa für alle Apotheken?
Weitere Herausforderungen:
- Wachsende Umsätze bei Versandhandel & Co. (hochgerechnete 930 Millionen GKV in 2025)
- Tarif und Mindestlohn (durchschnittlich -11.000 Euro im Jahr je Apotheke).
Die wichtigste Frage bleibt also weiterhin: Was macht die Apothekenreform?
Das Eckpunktepapier wurde Mitte September vorgestellt, der Referentenentwurf und danach der Regierungsentwurf sollen im Herbst 2025 erfolgen. »Was eventuell schon ab Anfang 2026 in Kraft treten kann, ist die Aufhebung des sogenannten Skonti-Verbots«, berichtete Dr. Schwintek. Allerdings sei angesichts von Mindestlohn und Margendruck nicht damit zu rechnen, dass das frühere Konditionsniveau wieder voll erreicht werde. »Vor allem den umsatzund verhandlungsstarke Apotheken haben aber Aussichten auf spürbare Verbesserungen.« Außerdem recht schnell ist wohl die Erhöhung der Notdienstpauschale geplant, die jedoch ebenfalls kaum Auswirkungen auf ertragsschwache Betriebe hat.
Schmerzhafte Verschiebung
Was kommt: Der Zuschlag für die pharmazeutischen Dienstleistungen wird auf die Nacht- und Notdienstvergütung umverteilt, diese Leistungen sollen künftig direkt von den Kassen bezahlt werden. Neue Dienstleistungen wie beispielsweise Impfungen mit Totimpfstoffen werden hinzukommen, haben auch ein riesiges Patientenpotential und werten den Heilberuf des Apothekers auf. »Die geringen Deckungsbeiträge können jedoch die bislang ausbleibende Honorarsteigerung nicht kompensieren«, urteilte der Experte.
Am schmerzhaftesten ist jedoch: Die lang erwartete und dringend notwendige Erhöhung des Apotheken-Fixhonorars auf 9,50 Euro wird erst einmal verschoben – die Ergebnisse der Kommission zur Prüfung der GKV-Finanzierung im Frühjahr 2026 sollen abgewartet und dann entscheiden werden. »Sämtliche Berechnungen zeigen, dass nur die 9,50 Euro wirklich für alle Betriebe etwas bringt und somit unabdingbar ist«, so Schwinteks Fazit.
»Wachstumspotential ist definitiv vorhanden, leider teilweise jedoch bedingt durch das kontinuierliche Apothekensterben «, erklärte der Geschäftsführer des Verbandes. Mit dem Fokus auf die guten Nachrichten gibt es also mehrere erweiterte kaufmännische Handlungsoptionen sowie Chancen auf heilberufliche Aufwertung durch neue Dienstleistungen. »Nutzen Sie Ihre Chancen, denken Sie voraus und minimieren Sie währenddessen die Risiken – wir helfen Ihnen dabei!«
- Dr. Sebastian Schwintek
Rechtsanwalt (Syndikusrechtsanwalt)
GeneralbevollmächtigterTelefon: 0511 83390 -0Fax: 0511 83390 -340