Neue Dienstleistungen: Innovation, Investition oder Illusion?

Apotheker Rouven Steeb und Dr. Jutta Degenhardt lieferten praxisnahe Zahlen, Daten und Fakten zu pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL). Wirtschaftliche Chance oder Stolperfalle – entscheiden Sie selbst.

23. Dezember 2025
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Erst 50 Prozent der Apotheken bieten überhaupt pDL an. 2024 wurden pro Apotheke dafür etwa 2000 bis 3000 Euro abgerechnet. 100 000 Patienten wurden über Inhalativa beraten, bei 40 000 Patienten der Blutdruck gemessen und 65 000 Beratungen bei Polimedikation durchgeführt. Gegenüber dem Vorjahr sind die Zahlen der erbrachten Dienstleistungen um 70 bis 160 Prozent gestiegen.»Außerdem sehr erwähnenswert: Mitarbeitende in Apotheken, die pDL anbieten, zeigen eine höhere Arbeitszufriedenheit«, berichtete Dr. Jutta Degenhardt.

»Der pDL Fonds umfasst insgesamt über 475 Millionen Euro Rücklagen, in 2024 wurden jedoch nur 26,6 Millionen abgerufen«, erklärte Rouven Steeb. »Das sind mehr als 2023, aber unter der eingezahlten Summe von 144 Millionen Euro.« Derzeit sei geplant, diese Gelder umzuwidmen, zum Beispiel zur Erhöhung der Notdienstpauschale. »Schauen wir auf die Rentabilität – lohnen sich pDL?«, fragte die Leiterin der betriebswirtschaftlichen Abteilung der Treuhand Hannover. »Dafür stellen wir das Honorar den Betriebskosten und Öffnungsstunden gegenüber.«

»Quick & dirty« funktioniert am besten

Das Ergebnis? Kurz gesagt: Laut »Vollkostenmodell« lohnt es sich – gerade in der Anlaufzeit – nicht, zieht man jedoch die »So-da-Kosten« nicht in Betracht – also Kosten, die man ohne pDL ohnehin hätte und minimiert den Zeitaufwand mit straffen Prozessen, kommt am Schluss ein positiver Deckungsbeitrag heraus. Doch nicht nur die Rentabilitätsberechnungen spielen bei pDL eine Rolle. »Weitere wichtige Faktoren sind beispielsweise die positivere Wahrnehmung der pharmazeutischen Kompetenz in der Öffentlichkeit sowie die Attraktivität bei Mitarbeitenden und potentiellen Bewerbern«, betonten die Experten.

Mehr Pragmatismus wagen

Rouven Steeb setzt das in seinen Apotheken bereits um, erzielt gute Gewinne und kann nur empfehlen: »Wagen Sie mehr Pragmatismus und weniger Bürokratie. Machen Sie es sich so einfach wie möglich und setzen Sie Ihre Standards nicht zu hoch.« Genau dafür plädierte auch eine Apothekerin aus dem Publikum, die Wochenaktionen, mehr Flexibilität und einen möglichst niedrigschwelligen Einstieg für Kunden und Mitarbeitende umsetzt: »Meiner Meinung nach ist es fast schon unterlassene Hilfeleistung, wenn wir es nicht tun!«