NextGenTalk: Apotheke und Gesundheitspolitik on point

»Wir wollen nicht gestaltet werden, sondern selbst gestalten.« Hochkarätige junge Stimmen aus Kammern und Verbänden kamen beim Dialog zusammen und sprachen über Herausforderungen und Chancen.

29. Dezember 2025
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Am Samstag Mittag kam die hochkarätige »NextGen« der Standesvertretung mit dem Chefredakteur der PZ Alexander Müller in Berlin zusammen, um über aktuelle Herausforderungen, die Apothekenreform und neue Versorgungskonzepte zu diskutieren: ABDA-Vizepräsidentin Ina Lucas, BAK-Vize Franziska Scharpf, DAVVorstandsmitglied Jan-Niklas Francke und Jan Harbecke vom Apothekerverband Westfalen-Lippe und Mitglied der Verhandlungskommission des DAV.

Garantiert ohne Boomer, sinnsuchend und institutionskeptisch: Die nächste Generation aus der Standespolitik will es besser machen, steht aber vor großen Herausforderungen. Wie kann die Apotheke vor Ort gestärkt werden? Welche Rolle spielen Digitalisierung, Nachwuchsförderung und politische Mitgestaltung? Wann und wie müssen wir laut werden für eine Apothekenreform, die das Apothekensterben stoppen kann? Ein Auszug aus dem inspirierenden Austausch über Verantwortung, Visionen und konkrete Lösungsansätze für ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem.

»Warum seid ihr eigentlich in die Standespolitik gegangen?«, fragte Chefredakteur Alexander Müller zuallererst. »Wir wollen Veränderungen und können dabei nicht still sitzen«, lachte Scharpf. »Es geht uns darum, Dinge zu tun – nicht nur zuzuschauen und zu klagen.« Francke ergänzte: »Wir gehen raus aus der Blase in die Öffentlichkeit. Wir wollen nicht gestaltet werden, sondern selbst gestalten.«

»Stimmt das Klischee von den alten weißen Männern noch oder erlebt ihr das anders?« Scharpf spontanes »Ja!« erntete ein Lachen: »Ich hab drei Kinder, da ist man einfach anders am Puls der Zeit.« Lucas betonte: »Wir brauchen Vielfalt. Wir können das nur zusammen machen. Und wir trainieren das doch in Apotheken jeden Tag!« Francke bekräftigte: »Wir brauchen agile und bunte Teams. Wir brauchen Sie alle. Mit einer Gruppe um mich herum habe ich keine so große Angst mehr vor der Veränderung.«

»Es gab von der Ärzteschaft heftigen Widerstand zu den Eckpunkten der Apothekenreform, wie geht ihr damit um?« Lucas bekräftigte: »Wir müssen mit den Ärzten in den Dialog gehen, dann fühlen sie sich entlastet statt angegriffen. Wir sind die Brückenbauergeneration.« Scharpf fügte hinzu: »Wir müssen weg von delegierten Leistungen, sondern unabhängige und eigenständige Leistungen anbieten, die niedrigschwellig sind. Die Patienten sind bei uns viel offener, weil unsere Perspektive einzigartig ist.« Lucas ergänzte: »Die Versorgungsrealität ist doch folgende: Wir bieten Lösungen, auch wenn keine Arzttermine da sind! Wir wollen den Ärzten nicht die Versorgung wegnehmen, sondern uns gemeinsam die Bälle zuspielen. Also müssen wir reden. Bei der Impfnacht wurden wir alle überrannt, weil die Ärzte es nicht schaffen. Deswegen dürfen wir nicht mehr leise sein!«

»Wie kommt ihr noch an die 9,50 Euro?« Franckes Meinung: »Die 9,50 Euro sind ein Muss und nicht verhandelbar. Wir brauchen das höhere Fixum als Volumen und Spielraum für die pharmazeutischen Dienstleistungen. Apotheke ist kein Subventionsgeschäft.« Lucas erinnerte daran, dass ein Koalitionsvertrag nicht nur Bla bla sein dürfe. Auf solche konkreten Zusagen müsse man sich verlassen können. »Was soll das sonst für unsere Demokratie bedeuten?«

Wortbeitrag aus dem Publikum: »Was ist die Strategie der Apothekerschaft, wenn die Verhandlungen fehlschlagen? Wann sagen wir, dass es jetzt reicht?« Lucas: »Ich nehme der Ministerin ab, dass sie sich um uns kümmern will. Der Entwurf ist noch nicht da, es gibt also auch noch Chancen auf Eingaben. Wenn Verhandlungen und Dialog aufhören, gibt es eine Aktion. Aber mit einer gemeinsamen Stimme!« Und: »Die Macht der Bilder und der Kommunikation müssen wir noch viel mehr nutzen. Jeder muss mithelfen für die bessere Wucht. Ein einziger Satz zu den Kunden kann reichen. Die Masse macht‘s!« Auch Harbecke wünschte sich mehr Geschlossenheit und Beteiligung, beispielsweise in den Landesverbänden: »Wir brauchen den Input, aber auch das Vertrauen von der Basis, um möglichst gute Entscheidungen zu treffen. Es ist ein Geben und ein Nehmen. Nicht jede einzelne Maßnahme lässt sich schnell mit allen abstimmen, aber Geschlossenheit ist für den Erfolg trotzdem unerlässlich.«

»Was sagt Ihr zur PTA-Vertretung?« »Wenn diese Tür aufgeht, dann sind Dingen wie Drogerie- Medikamentenabgabe die Tür geöffnet«, betonte Lucas. »Ich hab nicht umsonst Pharmazie studiert. Ich habe Haftungsrisiken und Verantwortung – ansonsten wären Apotheker generell überflüssig«, so Franziska Scharpfs klare Meinung.

»Wie kann der Beruf PTA anderweitig weiterentwickelt werden?« »Mehr Delegation von den Inhabern, Bürokratie teilen: Wir haben ja nicht zu wenig Aufgaben!«, schlug Lucas vor. Scharpf plädierte für mehr Durchlässigkeit des Pharmazie- Studiums und Erleichterungen beim Studium: »30 bis 40 Prozent Verlustrate beim Pharmaziestudium muss nicht sein!« Francke sieht auch hier das Honorarproblem als den Hauptübeltäter.

Mehr Zusammenarbeit, mehr Transparenz, mehr Zusammenhalt, mehr Dialog und mehr Vertrauen – der Next- GenTalk und die engagierten Standesvertreter der nächsten Generation ernteten großen Applaus und Zustimmung.