Resonanz: Menschen verstehen, bewegen und gewinnen
»Leidenschaft und Freude übertragen sich auf unsere Mitmenschen genauso schnell wie Unlust oder Angespanntheit. Es beginnt immer bei uns selbst«: Keynote-Speaker Sören Flimm erklärte, wie Resonanz erzeugt wird.

Was ist eigentlich Resonanz und wie kommt man auf eine Wellenlänge? Keynotespeaker Sören Flimm, dreifacher Autor, Vortragsredner, Berater, Trainer und früherer Banker, zeigte zum beeindruckenden Finale des DIALOGs am Samstag wie das, was zwischen uns schwingt, unsere Beziehungen am Arbeitsplatz zutiefst beeinlfusst.
»Was haben eine Eheschließung und Nahrungsergänzungsmittel gemeinsam?« war Sören Flimms erste Frage ans Publikum. Das legte sich ins Zeug und antwortete mit »Beide komplettieren einen Mangel« und »die Kaufentscheidung beruht auf einem guten Gefühl«. Dieses »gute Gefühl« war sowohl Thema als auch Folge des charismatischen Vortrags mit vielen persönlichen Beispielen und Interaktionen. Aber Resonanz: Menschen verstehen, bewegen und gewinnen »Leidenschaft und Freude übertragen sich auf unsere Mitmenschen genauso schnell wie Unlust oder Angespanntheit. Es beginnt immer bei uns selbst«: Keynote-Speaker Sören Flimm erklärte, wie Resonanz erzeugt wird.
»Die Stimmung könnte heutzutage besser sein.«
Resonanz, lateinisch Widerhall, ist das Kernthema des Gründers und Geschäftsführers der Resonanz-Akademie® im hessischen Neukirchen. »Resonanz bedeutet durch jemanden oder etwas erreicht und bewegt zu werden«, erklärte Flimm und verdeutlichte dies mit einem Stimmgabel- Experiment. Er schlug zuerst die erste (ziemlich große) Stimmgabel an, woraufhin die zweite (von einer Zuhörerin gehalten) wie von Zauberhand mit vibrierte – auch als die erste Stimmgabel angehalten wurde. Entscheidend ist herbei die Frequenz: Die beiden Stimmgabeln schwingen auf der Frequenz von 400 Hertz. Weicht eine davon ab, schwingt die andere nicht mit!
50 Prozent der Mitarbeitenden haben einen inneren Kündigungswunsch
Wie man das in den beruflichen Alltag übertragen kann, zeigt die aktuelle Gallup-Studie: »50 Prozent der Mitarbeitenden haben momentan den Wunsch zu kündigen. Kündigungsgrund Nummer 1: Mangelnde Wertschätzung. Nummer 2: Beziehungslosigkeit mit Vorgesetzten. Und Nummer 3: Mangelnde Sinnhaftigkeit. Also im Grunde alles Resonanzlosigkeit«, so der Experte. »Das heißt nicht, dass wir jetzt rumlaufen und alle anderen wieder in Resonanz bringen müssen. Im Gegenteil, wir können Resonanz schlecht erzwingen, planen oder kontrollieren. Wir können sie jedoch sehr gut begünstigen.«
Beziehungsebene geht vor Inhaltsebene
In Führungsbeziehungen, Kundenbeziehungen, Zusammenarbeit und Teamentwicklung sowie insbsondere dort, wo »organisatorische, funktionelle oder persönliche Andersartigkeit « aufeinander treffen, braucht es dringend mehr Resonanzkompetenz. »Die Führungskraft übernimmt die Rolle der ersten Stimmgabel«, betonte Sören Flimm, der dem Publikum zwischendurch die Verbindung von Tönen und Gefühlen mit einem beeindruckenden Sologesang von »Hallelujah« darbot. Extrinsische Stimualtion birgt die Gefahr der Abhängigkeit und führt zu Beziehungs- und Verbindungslosigkeit. »Es geht letztendlich nicht ums WAS, sondern um das WIE«, bekräftigte der charismatische Speaker. »Also was ist mein eigenens Anliegen, mein WHY – auch wenn es sich etwas kitschig anhört!«
»Das einzige, was niemals ersetzbar sein kann und wird, sind die Emotionen, Gefühle und die Verbundenheit, die vom Menschen ausgehen.«
Die PWAVM-Formel helfe da sofort weiter: Positive Wirkung Außerhalb Von Mir. Die Hingabe an das eigene Anliegen und die sich daraus ergebenden Aufgaben, bringen uns und andere ins Schwingen. »Wenn der Mensch gegenüber davon profitiert, gibt uns das sofortige Freude zurück. Leidenschaft und Freude übertragen sich auf unsere Mitmenschen genauso schnell wie Unlust oder Angespanntheit. Es beginnt immer bei uns selbst.«
Nur wer gut klingt, versetzt andere in Schwingungen.
Der größte Widersacher? Sind wir also mal wieder selbst. Doch in Zeiten, in denen Wissen, Information, Produkte und Dienstleistugen überall verfügbar und komplett austauschbar geworden sind, macht nur eines noch den Unterschied: Wir. »Das einzige, was niemals ersetzbar sein kann und wird, sind die Emotionen, Gefühle und die Verbundenheit, die vom Menschen ausgehen. In Zukunft noch stärker als heute ist soziale Resonanz unsere Trumpfkarte«, prophezeite Flimm, der sich 2019 als Redner selbständig machte.
Die zweite Stimmgabel
»Damit andere sich mit uns verbunden fühlen können, gibt es gewisse Bedürfnisse, die jeder Mensch von klein auf braucht«: 1. Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Präsenz. Lifehack: Lächeln! Unsere Spiegelneuronen sind schneller als unser Verstand! 2. Zuhören: Echtes Zuhören wird leichter durch Interesse – ebenso durch die Absicht zu verstehen, anstatt zu antworten (86 Prozent der Mitarbeitenden haben das Gefühl, ihnen wird nicht zugehört). 3. Erkennen: Wenn wir die Werte, Überzeugungen und Emotionen unseres Gegenübers kennen (zum Beispiel durch die Persönlichkeits- Stereotype des Riemann-Thomann-Modells), können wir 4. Verstehen. Denn wer sich nicht verstanden fühlt, geht inhaltlich nicht mit uns. Verstehen heißt jedoch nicht unbedingt zustimmen. Mantra: »Oh, wie interessant, Du hast eine andere Meinung!« oder auch »Ich vestehe das, gleichzeitig habe ich eine andere Perspektive/ Meinung dazu. »Gleichzeitig« = Augenhöhe. »Aber« = von oben herab. 5. Bewegen: Bewusste Begegnung und Interaktion, damit das Gegenüber sich wohlfühlt, ohne uns dabei selbst zu verbiegen.
Resonanz bedeutet nicht unbedingt Harmonie, sondern Verbindung
»Harmonie wird irgendwann langweilig«, betonte der Redner, der früher am Theater in die Rolle des Jekyll & Hyde geschlüpft ist. »Insbesondere im Diskurs und Meinungsaustausch ist das Empfinden, dennoch in Resonanz zu sein, überaus bereichernd.« Denn so werden Ergebnisse möglich, die aus den eigenen Ansichten heraus niemals entstanden wären. »Lassen Sie uns gemeinsam für emotionale Ansteckung sorgen, unser Gegenüber positiv bewegen und diese Schwingung reichlich als Resonanzerfahrung zurückbekommen!«
Interview mit Keynote-Speaker und Resonanz-Experte Sören Flimm
Wie komme ich am schnellsten aus einer niedrigen Schwingung in eine höhere, wenn ich gerade im Stress bin?
Ich bin mir nicht sicher, ob wir zwischen hohen und tiefen Schwingungen unterscheiden müssen. Wichtig erscheint mir, sich selbst immer wieder wahrzunehmen und zu spüren - insbesondere dann, wenn wir im Stress sind. Hier hilft ein kleiner Resonanzcheck zum kurzen Innehalten: »Wie geht es mir gerade? Welche Situation/ Aufgabe/ Begegnung steht mir jetzt gleich bevor? Ist meine derzeitige Stimmung dafür eher günstig oder ungünstig?«. Diese Art achtsamer Selbstwahrnehmung hilft ungemein, der eigenen Verantwortung als »1. Stimmgabel« bewusster zu werden und aktiv zu handeln. Eine kleine neurobiologische Ergänzung: Adrenalin und Cortisol bringen die Resonanzfähigkeit unseres Gehirns in solchen Momenten beinahe zum Erliegen.
Wie gehe ich mit notorischen «Frequenzstörern« im Team um?
Viele Führungskräfte haben den sofortigen Reflex, Störungen beseitigen oder ungünstige Stimmungen im Team wegwischen zu wollen - das ging mir selbst jahrelang so, mit sehr mäßigem Erfolg. Doch wenn man den Mut aufbringen kann, dem was ist, Raum zu geben, werden wir andere Erfahrungen machen. Oft liegt dem Ganzen eine Beziehungsstörung zu Grunde, die man zu allermeist gut und professionell besprechbar machen kann – auch im Team. Es braucht gezielte Räume dafür – das erlebe ich in meiner Arbeit mit Teams immer wieder. Störungen treten meistens auch dann auf, wenn sich jemand zu wenig wahrgenommen und verstanden fühlt, hier lohnt es sich, hinzuschauen. Wir sollten dabei nur niemals vergessen: Wir können nicht alle gewinnen (es gehören bekanntlich
Wie sorge ich dafür, dass meine Wellenlänge von anderen unbeeinflusst bleibt beziehungsweise sich nicht »abschwächt«?
Wir sind immer von anderen beeinflusst. Stimmungen anderer übertragen sich oft auf uns – ob wir wollen oder nicht. Das kennen wir alle aus unserem beruflichen oder privaten Alltag. Es stellt sich also die Frage, wer die »Anderen « in dem Fall sind. Auch hier lohnt der Blick darauf, von wem man sich wann und wie emotional anstecken lässt. Ich empfehle jedem, dafür ein innerliches Resonanzradar zu entwickeln, um günstige von ungünstigen Begegnungen und Beziehungen zu unterscheiden und sich nicht allem und jedem unreflektiert auszusetzen, dem man so begegnet. Gleichzeitig helfen bewusste Begegnungen mit Menschen, bei denen wir Resonanz verspüren – wo wir uns in und nach einem Gespräch gut, frei und energetisiert fühlen.
- Sören Flimm
Resonanz-Akademie®
www.resonanzakademie.com