Treuhand POWERplay: 4 Themen, 4 Impulse!
Kürzer, knackiger, konkreter: Der Treuhand Dialog 2025 in Berlin hat neue Maßstäbe gesetzt. Mit kernigen Formaten, hochkarätigen Gästen und brandaktuellen Themen ging es gleich am Freitag Mittag mit voller Power los.

1. KI in der Apotheke
KI-Pionier und Apotheker Marc Kriesten gab den ersten wichtigen Impuls des Dialogs und brachte sein Lieblingsthema kompakt und kurzgefasst auf den Tisch. Zukunft ist, was wir draus machen: Wie Ki die Apotheke neu erfindet.
»KI ist bereits überall in unserem Alltag: In unseren Telefonen, in Google Maps, in der Radiologie, in der Warenwirtschaft «, erklärte der KI-Vorreiter. »Und wir werden sie auch dringend brauchen!« Fachkräftemangel, Demographie und Bürokratie stellen uns vor Herausforderungen, die wir ohne digitale Hilfe nicht mehr alleine schaffen. »Zukunft ist keine Prognose, sondern ein Gestaltungsraum!«, so sein Credo. »Doch dafür brauchen wir ein neues Lösungs-Denken und konkrete Tools.« Er stellte seine persönliche KI-Toolbox vor (»Fireflies.ai für die nächste Teamsitzung!«), was KI heutzutage leisten kann – und was nicht. »Zeit ist kostbar! Nutzen Sie KI für den Maschinenraum der Apotheke und Sie gewinnen Zeit für sich selbst und Ihre Kunden!«, ermunterte er das Publikum. 60 bis 90 Prozent betrage die durchschnittliche Reduktion der Bearbeitungszeit. »KI wird sowieso selbstverständlich werden. Alles für eine Transformation ist bereits da. Technik ist nicht die Bremse, wir selbst sind es.«
- Fireflies.ai → Meeting-Transkription
- True+ → Assistenzen fürs Team
- ChatGPT → Persönliche Assistenzen
- Motion → Kalender
- Notion → Wissensmanagement
- Front.ai → Email-Management
- NotebookLM → Wissensvermittlung
- DeepL → Übersetzung/Texte
- Canva Magic Studio → Marketing
- n8n → Workflow-Automation
2. Zurück zum Kunden! Was er wirklich will – und was die Apotheke stattdessen macht
»Ist Kundenorientierung out?«, fragte Treuhand-Experte Guido Michels in seinem Powerplay das Publikum provokant. Und lieferte sogar konkrete Beweise für seine Behauptung: Das Wort »Kunde« kommt auf dem Onlineportal apotheke.adhoc in 2018 ganze 2451 Mal vor. Im Jahr 2024 nur noch 1328 Mal.
»Sie haben den Kunden aus den Augen verloren – weil Sie zu viele Probleme haben«, so seine These. »Zwischen Lieferengpässen, Bürokratie, Personalmangel & Co. kommt mittlerweile der Kunde zu kurz.« Und was wollen die Kunden wirklich? 99 Prozent der Apotheker glauben laut BPI Stimmungsbarometer, dass die Kunden vor allem eine gute Beratung wollen. Das ist aber nur für ganze 34 Prozent der Kunden wichtig. Für 70 Prozent der Kunden ist dagegen »Vertrautheit« der vorrangige Grund, warum sie in eine bestimmte Apotheke gehen.
Genauso gehen die Meinungen beim Onlinekauf auseinander: Apotheker glauben, dass die Kunden vor allem wegen der Rabatte und Boni online einkaufen. Den Kunden dagegen sind die Rabatte und Boni ziemlich egal, sie kaufen vor allem wegen der Bequemlichkeit online ein. »Wie gut kennen Sie ihre Kunden?«, fragte Michels. »Und vor allem: Was tun Sie für die Bequemlichkeit und die Vertrautheit Ihrer Kunden?« Zurück zum Kunden heißt das Motto!
Wenns läuft, läufts – wie Prozesse Organisationen stärken
Überlebensmodus im Tagesgeschäft? Gute Prozesse helfen! Treuhand-Experte für Organisationsberatung Sven Derlien erklärte wie automatisierte Prozesse dabei helfen, die Apotheke zu optimieren und zu entlasten.
»Was ist ein Prozess?«, fragte der gut organisierte Treuhand- Berater. »Hauptsächlich ist er einfach, sinnhaft und ergebnisfördernd – wie Zähneputzen!« Prozesse sind also keine Aufgaben, Projekte, Bürokratie, Checklisten oder Ergebnisse. Stattdessen gibt es einen Start, einen bestimmten Ablauf und dann ein gewolltes Ergebnis. Und was bringt Ihnen das? Jede Menge: Weniger Stress, klare Zuständigkeiten, schnelleren Service, weniger Fehler, einheitliche Ergebnisse, Zeitersparnis, höheren Informationsfluss, Transparenz, gesteigerte Zufriedenheit im Team und beim Kunden sowie klare Wettbewerbsvorteile durch mehr Professionalität und Verlässlichkeit.
»Viele Tätigkeiten lassen sich durch klare, eingespielte Prozesse deutlich vereinfachen oder sogar vermeiden – das spart Zeit und Ressourcen«, fasst Derlien zusammen.
4. Führen in Veränderungsprozessen – Orientierung geben, wenn die Apotheke sich wandelt
»Wie stehen Sie zu Veränderung? Oder vor allem: Wie steht Ihr inneres Team dazu?« Treuhand Personalexpertin Anke Kunigkeit zeigte, wie wir unsere eigenen inneren Stimmen moderieren, um das äußere Team besser zu führen.
»In jeder Führungskraft steckt ein ganzes Team. Manche Stimmen pushen nach vorne, andere bremsen. Führung beginnt damit, dieses Innere Team zu moderieren« so Kunigkeit. Da ist zum Beispiel die innere Visionärin, die neue Ideen umsetzen will, die Sicherheitsbeauftragte, die auf die Gefahren hinweist oder die Fürsorgliche, die vor allem für das Team immer das beste möchte. Dieses Persönlichkeitsmodell stammt von Psychologe Friedemann Schulz von Thun und beschreibt, dass mehrere innere Anteile und Meinungen innerhalb einer Person existieren.
»Wenn man seine eigenen inneren Stimmen kennt, moderiert und klare Entscheidungen gestalten kann, kann man auch äußere Konflikte besser führen«, empfahl Kunigkeit. »Man weiß, dass hinter Widerständen bestimmte Bedürfnisse stecken und kann verständnisvoller kommunizieren.« In Wandel und Veränderung Orientierung geben und glaubwürdig gestalten – die Treuhand-Expertin erklärte, wie echter Teamzusammenhalt funktionieren kann: »Holen Sie Ihre unterstützenden Stimmen nach vorne und beruhigen Sie Ihre inneren Kritiker – dann sind die äußeren Kritiker kein Problem mehr!«