Treuhand Talk: Fakten, Meinungen, Klartext
»Die nächste Generation hat andere Ansprüche. Durch pDL ensteht mehr Arbeitszufriedenheit«: Treuhand Experten und Apotheker diskutierten über die Zukunft von Apotheken.

Lieferengpässe, Personalnot, Bürokratie und Zukunftsstrategien: Let‘s talk about it! Unsere Experten diskutieren gemeinsam mit Gästen aus der Praxis über aktuelle Herausforderungen, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und politische Entwicklungen.
Nach der Branchenlage schloss sich die gemeinsame Talkrunde an mit PZ-Chefredakteur Alexander Müller als Moderator: Dr. Jutta Degenhardt, Leiterin der Abteilung Betriebswirtschaft bei der Treuhand Hannover, Ute Cordes, Treuhand Expertin für Unternehmensnachfolge, sowie Apothekerin Sabine Joussen und ihre Kollegen Lars Ruwisch und Rouven Steeb benannten Probleme und besprachen mögliche Lösungen.
Menschen da abholen, wo sie sind: Impfen in der Schule
»Der Faktor Menschlichkeit macht bei uns Apotheken den Unterschied: Wir müssen die Menschen abholen!«, appellierte Sabine Joussen eindringlich. »Wir machen extra Impftermine an den Schulen und sogar die Lehrer und Lehrerinnen stehen Schlange.«
Das Impfangebot in Apotheken generell kommt bei den Menschen extrem gut an. »Die lange Nacht des Impfens war ein voller Erfolg«, so Apotheker Rouven Steeb. »Besonders das Abendangebot fanden die Kunden toll und haben uns förmlich überrannt.« Das kam auch der Stimmung im Team zugute.
Apothekerberuf als Heilberuf forcieren
Durch pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) können sich Apotheken herausheben vom Wettbewerb, findet die Mehrheit der Runde. Lars Ruwisch sieht das jedoch auch kritisch: »Wir machen alle ganz viele pDL, rechnen aber nicht ab. Das muss sich auch wirtschaftlich lohnen!« Zusätzlich zum wirtschaftlichen Aspekt kommt jedoch bei den pDL auch noch ein Reputations- und Imagegewinn hinzu – sowohl bei den Kunden als auch bei den Mitarbeitenden. »Mitarbeitende wünschen sich mehr Sinn«, betonte Dr. Jutta Degenhardt. »Die nächste Generation hat andere Ansprüche. Durch pDL ensteht mehr Arbeitszufriedenheit.« Auch Vertrautheit und Bindung zum Kunden lassen sich so leichter herstellen. »Und das macht unseren Beruf als Apotheker aus«, so Joussen.
Ohne die Honoraranpassung wird es trotzdem schwer!
Durch eigene Angebote können sich Apotheken auch unabhängiger vom Rx-Geschäft machen. Mit optimierten Prozessen, Routine und technischer Unterstützung ließen sich diese auch wirtschaftlicher lukrativ erbringen, da ist sich die Runde einig. Ohne Honoraranpassung wird es trotzdem schwierig. Das merkt man auch beim Apothekenverkauf: »Beim aktuellen Käufermarkt treffen sehr unterschiedliche Meinungen aufeinander«, berichtete Ute Cordes. »Der Trend zur gemeinsamen OHG ist deswegen unvermindert stark.«
Was müssen wir tun in 2026?
Persönliche Ansprache, Digitalisierung & KI, Kundenorientierung und Empathie lautet das Motto für 2026. Der Faktor Menschlichkeit – unterstützt mit effektiver und zeitsparender Technik – macht Apotheken in der heutigen Zeit immer noch unersetzbar.